3. Stuttgarter Sportgespräch

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„Die Bundesliga –
nur zuhause erstklassig?“

Nach zwei Veranstaltungen in Stuttgart luden die Kanzleien Wüterich · Breucker und Lengerke · Thumm (KooperationSportrecht) sowie der Boorberg Verlag zum „Auswärtsspiel“ in die Baden-Württembergische Landesvertretung nach Berlin. Ministerialdirektor Andreas Schütze konnte in Vertretung des Ministers Professor Dr. Wolfgang Reinhart unter den 130 geladenen Gästen zahlreiche Mitglieder des Bundestages, der Ministerien und Repräsentanten des Sports begrüßen.​ Unter dem Titel ​„Die Bundesliga – nur zuhause erstklassig? – Status und Perspektive des deutschen Profifußballs im internationalen Vergleich“​ stand die Ausbildung und das Leistungsniveau in den deutschen Mannschaften im Fokus. Im Impulsreferat erläuterten die Rechtsanwälte Dr. Marius Breucker und Jan Lengerke die rechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen und die ungleichen Rahmenbedingungen im europäischen Fußball: Schlaglichtartig zeigt sich dies in den Medieneinnahmen: während der FC Bayern München in der Saison 2007/2008 hieraus 21 Millionen Euro generierte, waren es bei Real Madrid und dem FC Barcelona jeweils 150 Millionen Euro. Die englische Premier League erwirtschaftete aus Medieneinnahmen 1,3 Milliarden Euro, während die Bundesliga im gleichen Zeitraum lediglich 420 Millionen Euro erwirtschaftete. Breucker und Lengerke führten aus, die strengen Lizenzierungsauflagen in Deutschland wirkten im Vergleich zu den europäischen Topligen zwar teilweise wie ein Wettbewerbshindernis, seien aber Garant für ein nachhaltiges Wirtschaften. Nur so ließen sich letztlich Auswüchse undInsolvenzen oder Spielerstreiks vermeiden. Anschließend entspann sich zwischen ​Volker Finke​, ​Bernhard Peters​, ​Olaf Thon​ und ​Frank Wormuth​ unter der Moderation des Hörfunkchefs Sport des Südwestrundfunks, ​Dr. Andreas Wagner​, eine rege und oft kontroverse Diskussion. Bernhard Peters kritisierte die unzureichende Ausbildung der Trainer und die fehlende Effizienz und Kreativität des Trainings in Deutschland. Trainer müssten sich lebenslang fortbilden. Aktuell sei ein viel größerer Wert als bislang auf kreativen Angriffsfußball zu legen; die Zeit der reinen Defensivkünstler sei vorbei. Zudem müssen die Persönlichkeitsschulung einen viel breiteren Raum einnehmen, der Sportler übertrage private Erfolgserlebnisse auch auf den Platz. Frank Wormuth, beim DFB verantwortlich für die Trainerausbildung entgegnete, die deutsche Trainerausbildung sei international konkurrenzfähig und sei zudem gerade von einem halben Jahr auf ein Jahr verlängert worden. Die Trainer würden vermehrt in Praxistrainingseinheiten ausgebildet und könnten mittlerweile neun Wochen Praktika in den Vereinen absolvieren. Ein weiteres neues Modul sei „Lernen durch Schulen“: die Absolventen müssten anderen Lehrgangsteilnehmern einzelne Einheiten erläutern, was dazu beitrage, die Vermittlungskompetenz zu erhöhen. Auf die Schulung des Offensivverhaltens werde großen Wert gelegt, die netsprechende Einheit umfasse neune Wochen. Die DFB-Trainerausbildung können nicht vollkommene Trainer „produzieren“, sondern wolle das Handwerkszeug für eine erfolgreiche Trainerkarriere an die Hand geben. Olaf Thon forderte, der deutsche Fußball müsse sich modernen Strömungen öffnen. Das lange Festhalten an der – auch von ihm ausgeübten – Position des Liberos sei ein Beispiel, wie in Deutschland Entwicklungen verschlafen würden. Thon betonte, der einst von Franz Beckenbauer eingeschlagene und von Jürgen Klinsmann ausgebauten Trainerkompetenzteams ermöglichten eine effektive Leistungsoptimierung. Volker Finke betonte, wer internationale Konkurrenzfähigkeit fordere, müsse auch entsprechende Finanzierungsmodelle zulassen. Wer an der 50 + 1 Regelung oder an Berichterstattung in frei empfangbarem Fernsehen vor 20 Uhr festhalten wolle, der dürfe sich nicht wundern, dass sich die deutschen Spieler nicht die absoluten Topspieler leisten könnten. Es sei widersprüchlich, wenn die Politik und die Medien samstags um 18 Uhr Bundesliga für alle und mittwochs Siege in der Champions League forderten. Finke ergänzte, Veranstaltungen wie das Sportgespräch seien wichtig für eine verstärkte Diskussions- und Streitkultur im Deutschen Fußball. Nur so kommen man bei der Suche nach den besten Lösungen voran. Rechtsanwalt Dr. Martin Stopper betonte in der anschließenden Diskussion, auch nach derzeitigem Verbandsrecht und trotz der 50 + 12 Regelung seien innovative Finanzierungsformen möglich. Der Präsident der Stuttgarter Kickers, Rechtsanwalt Dirk Eichelbaum, verdeutlichte, dass es Vereinen in der dritten Liga nur mit höheren Fernsehgeldern möglich sein werde, die hohen und in der Sache sinnvollen Anforderungen des DFB etwa im Hinblick auf die Nachwuchsleistungszentren gerecht zu werden. Im Anschluss lud die Baden-Württembergischen Landesvertretung zum Empfang in ihren Räumen. Am 26. Januar 2009 laden die Kanzleien und der Verlag zum vierten Stuttgarter Sportgespräch nach Stuttgart. Über die Zukunft der Finanzierung des Sports diskutieren in Stuttgart unter anderem der Baden-Württembergische Minister Helmut Rau, der sportpolitische Sprecher der Grünen Winfried Hermann und der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Sporthilfe Hans Wilhelm Gäb. Am Nachmittag veranstaltet die KooperationSportrecht ein Expertenforum für geladene Sportjournalisten zum Persönlichkeitsrecht in der Sportberichterstattung.

  Impulsreferat  

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