6. Stuttgarter Sportgespräch

2010 / 2

„Der Kopf spielt mit –
Psychologie im Sport“

Mit ihrem zweiten Auswärtsspiel bringt die Kooperation Sportrecht das Stuttgarter Sportgespräch in die Landesvertretung Baden-Württemberg. Vor über hundert geladenen Gästen und Vertretern aus Politik, Sport, Kultur und Wissenschaft und unter der Moderation von Eike Schulz, Sportjournalist und Filmemacher beim ZDF, diskutierten die Podiumsteilnehmer über das Thema: Der Kopf spielt mit – Psychologie im Spitzensport.​ „Den Menschen macht sein Wille groß und klein“ sagt Friedrich Schiller im Wallenstein. Mit diesem einleitenden Zitat wies Dr. Matthias Breucker in seiner Begrüßung darauf hin, dass es neben dem individuellen Willen des einzelnen Sportlers auch den kollektiven Willen der Veranstalter, der Verbände, der Sponsoren, der Medien und des Publikums gibt. Dieser kollektive Wille entwickelt Kräfte, die im medialen Spitzensport mit seiner zugespitzten und inszenierten Dramatik den Einzelnen an die Grenzen seiner Möglichkeiten führen – und manchmal darüber hinaus. „Entscheidend sind nicht Medaillen, sondern dass die Sportler in ihre Disziplin eintauchen und dabei ihre Grenzen ausloten“, findet Guenther Lohre, Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Leichtathletikverband. Professor Dr. Hans Eberspächer, Sportpsychologe an der Universität Heidelberg, ergänzt hierzu: „Entscheidend für den Erfolg ist Dreierlei: körperliche Fitness, eine intakte Umgebung, und das, was „zwischen den Ohren“ passiert.“ Angesprochen auf den Einfluss der Medien sieht Michael Rosentritt, Buchautor und Sportjournalist beim Berliner Tagesspiegel, eine Gefahr darin, dass die Fernsehsender aufgrund der hohen Fernsehgelder ihr Produkt mit aller Gewalt verkaufen müsse, wobei die Distanz verloren zu gehen droht. Für Ole Bischof, Judo-Olympiasieger, bestätigt sich diese Aussage in seiner Beobachtung: „Früher wurden die Trainer von der Matte verbannt, weil sie zuviel protestierten. Das hat man dann schnell revidiert, weil die Zuschauer die ausflippenden Trainer sehen wollten.“ Für Eberspächer ist entscheidend die Sicht der Dinge. „Dabei geht es nicht um richtig oder falsch, sondern um eine zweckmäßige Sicht.“ Dies unterstreicht der Geher André Höhne: „Beim 50 km Gehen darf man nicht in sich hineinhören, sonst hört man die Schmerzen!“ Zu der noch immer vorhandenen Skepsis gegenüber dem Einsatz eines Psychologen sagt Eberspächer: „Wenn sich ein Trainer gegen Psychologen wehrt, so sage ich ihm: Wenn sich ein Sportler am Knie verletzt hat, dann machst du das doch auch nicht selbst, sondern schickst ihn zum Arzt!“.

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