14. Stuttgarter Sportgespräch

2018

„Millionenspiel Profisport –
 wer zahlt den Preis?“

Die Anti-Doping-Arbeit 2017 war sehr intensiv. Sowohl national als auch international hat das Thema Doping“ das Jahr 2017 erneut stark geprägt. Ausgehend von der Entscheidung des IOC, das russische Team zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio zuzulassen, entstanden 2016 heftige Debatten und Initiativen über die (internationale) Anti-Doping-Arbeit. Die Diskussionen ebbten auch im Jahr 2017 nicht ab. Schließlich entschied das IOC am 5. Dezember 2017, das russische NOC nicht für die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang zuzulassen. Art und Umfang der IOC-Entscheidung polarisieren aber weiterhin.

 

Aus Sicht der NADA stellt die Entscheidung des IOC vom 5. Dezember 2017 ein deutliches Signal für eine Verstärkung des internationalen Anti-Doping-Kampfes dar. Erstmals wird ein NOC wegen (systematischen) Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Das IOC erkennt die Ergebnisse des Sonderermittlers der WADA, R. McLaren vollumfänglich an und konstituiert „nie dagewesenes, systematische Doping seitens des Staates“ (so Dr. T. Bach).

Die Arbeit derjenigen Organisationen, die täglich 24 Stunden, 7 Tage in der Woche, 12 Monate im Jahr Dopingkontrollen durchführen, Präventionsmaßnahmen bei den Zielgruppen organisieren, medizinische und rechtliche Fragestellungen beantworten und sich für dopingfreien Sport einsetzen, bleibt weiterhin ambivalent.

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  & Impulsreferat  

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Während international – angeführt von einer Allianz von über 20 CEOs Nationaler Anti-Doping-Organisationen – eine einheitliche Forderung nach „Code Compliance“ und einheitlichen Standards etabliert wird, bleiben das IOC und viele internationalen Sportfachverbände in ihrem „Anti-Doping“-Handeln weiter vage und unbestimmt. Positiv war indes, dass einzelne, beim Stuttgarter Sportgespräch 2017 eruierte Maßnahmen „in die Tat umgesetzt“ werden konnten. Gemeinsam mit dem Internationalen Tischtennis-Verband, mit ihrem Präsidenten T. Weikert, hat die NADA bei der Tischtennis WM 2017 im Mai und Juni 2017 in Düsseldorf Anti-Doping-Arbeit „präsent gemacht“. Dopingkontrollen wurde initiiert und ein großes Präventionsprogramm während der WM ausgerollt. Dies war ein gelungenes Leuchtturmprojekt! Andererseits wurde es der NADA vom Internationalen Tennis Verband (ITF) unter Verweis auf zweifelhafte Zuständigkeitsregeln verwehrt, bei dem ATP World Cup der Frauen in Stuttgart, unangekündigte Zielkontrollen durchzuführen. Dies war leider ein unverständliches Negativbeispiel! Auch die Arbeit der WADA ist im Ergebnis nur mit der Schulnote „ausreichend“ zu bewerten. Die Initiative zur Etablierung eines einheitlichen Standards für Code Compliance ist zu loben. Abzuwarten bleibt aber, wie sich dieser Standard ab 2018 tatsächlich auf die Rechte und Pflichten der Internationalen Sportfachverbände und der NADA auswirken wird. Klare und eindeutige Regeln und Sanktionsmechanismen im Falle des „Totalausfalles“ eines Anti-Doping-Systems sind jedenfalls unumgänglich. Allerdings hat die WADA viele „Hausaufgaben“ der WADA im Jahr 2017 nicht erledigt. Weiterhin besteht beispielsweise eine große Unzufriedenheit der Athletinnen und Athleten aber auch der anwendenden NADOs mit dem System ADAMS. Hier droht der „Geduldsfaden“ der Beteiligten zu reißen, wenn die WADA dringend erforderliche Anpassungen und Änderungen bei der Bedien- und Benutzerfreundlichkeit des Systems nicht sehr zeitnah vornimmt. Die Umsetzung weltweit einheitlicher Dopingkontroll- und Analysestandards lassen ebenfalls weiter auf sich warten. Die im Jahr 2017 erfolgte (vorübergehende) Schließung einiger WADA-akkreditierten Labore (u.a. in Paris und Bukarest) setzt keine erfreulichen Signale in die Anti-Doping-Welt. Die NADA wird sich jedoch mit ihrem Team weiter für eine Verbesserung der Anti-Doping-Arbeit einsetzen. Wir werden weiter – auf Geschäfts- und Leitungsebene – in internationalen Gremien (u.a. der WADA und des Europarats) aktiv und werben für den deutschen und europäischen Ansatz für Compliance in der Anti-Doping-Arbeit. Gleichzeitig wollen wir national die Qualität unserer Arbeit optimieren. Die Idee eines „Testats“ für Verbände und Athletinnen und Athleten soll weiter forciert werden. Athletinnen und Athleten, aber auch Verbände sollen unabhängig von Dopingkontrollen in die Lage versetzt werden, ihr Engagement und ihre „Leistung“ für sauberen Sport ausweisen zu können. In einem „Sportführungszeugnis“ könnten sich beispielsweise die Zugehörigkeit zum Dopingkontrollsystem der NADA, die Anzahl der Tests, sowie die regelmäßige (erfolgreiche) Teilnahme an Dopingpräventionsmaßnahmen wie E-Learning oder Webinars seitens der NADA abbilden lassen. Ebenso kann die NADA Verbänden die Ordnungsmäßigkeit von Anti-Doping-Maßnahmen „attestieren“, soweit eine Prüfung, ggf. auch in Abstimmung mit dem DOSB und BMI/BVA erfolgt ist. Bonn, 28. Dezember 2017 Dr. Lars Mortsiefer Ressortleiter Recht, Vorstandsmitglied NADA

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