4. STuttgarter Sportgespräch 2009 

4. Stuttgarter Sportgespräch – „Geld gewinnt! Können wir uns Siege noch leisten?“

 

Winfried Hermann fordert Engagement ehemaliger Spitzensportler.
Baden-Württembergischer Kultusminister Rau fordert bessere Vereinbarkeit von Sportlerkarriere und Berufsausbildung.

Der sportpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen, Winfried Hermann, forderte auf dem vierten Stuttgarter Sportgespräch vor über 300 geladenen Gästen die großen deutschen Unternehmen auf, sich stärker im Sport zu engagieren. „Ich finde es ärgerlich, dass nur unter dem Gesichtspunkt des Eigennutzes Mittel in den Sport gesteckt werden und so gut wie nichts in die Grundförderung.“ Weiter forderte Hermann ein verstärktes gesellschaftliches Engagement zu Gunsten des Sports und sieht hierbei die (ehemaligen) Spitzensportler in der Pflicht: „Die Spitzensportler, die durch den Sport etwas gewonnen haben, müssen – etwa über Stiftungen – dem Sport auch etwas zurückgeben.“

Hermann kritisierte darüber hinaus die – jedenfalls in der Vergangenheit – fehlende Transparenz der Spitzensportförderung: Früher habe man Gelder freigegeben, die von wenigen Beamten an den Sport verteilt wurden. Ein Fortschritt seien die nunmehr bestehenden Zielvereinbarungen, in denen die Verwendung der Gelder und die gesetzten Ziele genau definiert würden.

Der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau nahm die Ausbildungseinrichtungen in die Pflicht: „An den Gelenkstellen zwischen Ausbildung und Studium mit dem Leistungssport müssen alle zusammenarbeiten, damit Karrieren im Leistungssport gelingen können.“ Wie in den Elitenschulen des Sports gebe es auch in der Ausbildung und im Studium „Möglichkeiten, ganz konkret Laufbahnen abzusichern“. Rau verwies darauf, die Sportler müssten wegen ihrer Lehrgangszeiten und Wettkampfteilnahmen durch Unternehmen, Kammern und Universitäten unterstützt werden. Wenn eine Sportlerin wie Speerwerferin Christina Obergföll exmatrikuliert werde, weil sie einen Schein nicht rechtzeitig beigebracht habe, dann „fehle es den Universitäten „an dem Bewusstsein, was es bedeutet, Spitzensportler in den eigenen Reihen zu haben.“ Hieran müsse gearbeitet werden.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der privaten Stiftung Deutsche Sporthilfe, Hans Wilhelm Gäb, forderte ein stärkere finanzielle Unterstützung seiner Organisation: „Wir geben im Jahr zwölf Millionen Euro für 4.000 Athleten aus. Das ist der Betrag, den ein Bundesligaverein des unteren Mittelfeldes für 20 Spieler ausgibt.“ Gäb bemängelte das fehlende Bewusstsein in der deutschen Gesellschaft, welche Bedeutung Spitzensportler als Vorbilder für die Jugend haben.

Oliver Bierhoff forderte ein verstärktes gesellschaftliches Engagement zu Gunsten des Leistungssports. „Es gilt das Bewusstsein zu schärfen, welche Freude es machen kann, einen Leistungssportler zu unterstützen.“ Zugleich bemängelte Bierhoff: „Wir stellen im Fußball fest, dass immer mehr Migrantenkinder den Sprung schaffen, während den deutschen Kindern der Biss fehlt.“

Gunter Barner, Sportressortchef der Stuttgarter Nachrichten, kritisierte: „Der Sport hat genug Geld, der Sport muss seine Strukturen konzentrieren! Auch nach der Fusion der Spitzensportverbände zum DOSB gibt es nach wie vor kein zentrales Instrument der Spitzensportsteuerung, welches bis nach unten durchgreift.“

Rechtsanwalt Dr. Matthias Breucker forderte, verstärkt moderne gesellschaftliche Finanzierungsformen wie Fundraising oder Charity Events zu nutzen. In der Wirtschaft müsse das Bewusstsein gestärkt werden, dass auch die Förderung kleinerer Sportarten einen wichtigen Standortfaktor darstellten, der dauerhaft im Kampf um die besten Köpfe von entscheidender Bedeutung sei.

Beim erstmalig veranstalteten Expertenforum Medien beleuchteten Professor Dr. Martin Nolte, Hanseuniversität Rostock, PD Dr. Dr. Heiko Striegel, Mannschaftsarzt VfB Stuttgart und Professor Dr. Matthias Prinz aus Hamburg das Persönlichkeitsrecht im Sport.

Das Stuttgarter Sportgespräch ist ein unabhängiges Denk- und Diskussionsforum für Entscheidungsträger aus Sport, Politik, Wirtschaft, Kultur, Justiz und Medien. Veranstaltet wird es seit dem Jahr 2007 von den Rechtsanwälten Wüterich Breucker und Lengerke Thumm (Kooperation Sportrecht) und dem Richard Boorberg Verlag. Über 300 geladenen Gäste folgten am 26. Januar der Einladung in das Haus des Sports in Stuttgart.

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